Widerstand oder Unterstützung?

Die Märkte sind momentan aus meiner Sicht außerordentlich. “Außerordentlich” deswegen, weil ich nicht Worte wie “verrückt” oder “zickig” benutzen möchte, aber es hat schon was von einem “irren Ivan”, was da zuerst in den Indizes und dann teilweise auch in einigen Währungspaaren geschieht. Steckt man mental zu sehr drin, sind Fehler fast vorprogrammiert. Es ist schwer zu erkennen, was zur Zeit tatsächlich vorgeht und vor allem: wohin die Reise gehen soll. Widersprüchliche Nachrichten- und Faktenlage sorgen für große Ungewissheit, auf Widerstände und Unterstützungen kann man derzeit nicht allzu viel geben. Also: was tun?

Schuld an allem dürfte zunächst die FED sein. Solange die Liquiditätsströme anhalten, führen wirtschaftlich gute Daten zu sinkenden Kursen und umgekehrt. Zu allem Überfluss drohte EZB-Chef Mario Draghi ebenfalls nun mit einer Liquiditätsschwemme, die jüngste Leitzinssenkung war dabei ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Angesicht des geringen Geldmengenwachstums und einer rekordverdächtig niedrigen Inflationsrate von 0,7% in der Eurozone. Das schreit nach der japanischen Krankheit, dem Deflationsgespenst der Wirtschaft. Somit war ein In-Aussicht-stellen von weiteren Maßnahmen, in erster Linie langfristige Tender oder LTRO ( longer-term refinancing operations) gleich die nächste “Drohung” (im übertriebenen Sinne), die aus meiner Sicht an die Amerikaner gerichtet war, welche nichts unversucht lassen, den Dollar schwach zu halten, um die eigene Wirtschaft anzukurbeln und sich durch eine steigende Inflation gesund zu entschulden.

Ok, der EZB bleibt angesichts der gleichen Politik der japanischen Notenbank auch nicht viel übrig. Der zuletzt bis auf 1,38 gestiegen Euro macht der EU-Exportwirtschaft natürlich zu schaffen und eine rückläufige Inflationsrate ist natürlich nicht gut für weiteres Wachstum. Daher ist ein Gegensteuern nur folgerichtig. Allerdings hat das Folgen: solange die FED billiges Geld in den Markt pumpt, ruft das auch die Spekulanten auf den Plan, die Aktienmärkte ebenso wie Gold und Währungen bekommen das zu spüren. Insofern muss man sich fragen, woran sich die derzeitige Kursentwicklung eigentlich tatsächlich orientiert: an fundamentalen Daten oder am Vorhandensein von Liquidität?

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